DAS ENDE DER GRACE PERIODE

March 18, 2026

Microsoft schafft die Grace Period für die Online Services nun entgültig ab!

Eine langjährige Praxis im Microsoft-Lizenzmanagement geht zu Ende: die kostenlose Schonfrist (Grace Period) nach dem Auslaufen von Verträgen. Was für Kunden im Enterprise Agreement (EA) schon seit einiger Zeit Realität ist, wird nun auch im Cloud Solution Provider (CSP) Programm zur Regel. Microsoft ersetzt die bisherige Kulanzphase durch ein kostenpflichtiges Modell, was für Unternehmen ein erhöhtes Kostenrisiko und die zwingende Notwendigkeit für proaktives Lizenzmanagement bedeutet.

Die neue Regelung im CSP ab Mai 2026

Basierend auf offizieller Microsoft-Dokumentation wird die im EA bereits etablierte Logik nun auf das CSP-Programm übertragen und wird für alles Renewals ab dem 4. Mai 2026 durchgesetzt. Die bisherige Struktur im CSP, deren Hauptrisiko der Datenverlust war, wird durch ein Modell ersetzt, dessen Fokus auf dem Kostenrisiko liegt.

Am Ende einer Subscription-Laufzeit im CSP gibt es zukünftig drei definierte Optionen:

1. Verlängern (Auto-Renewal): Die Subscription wird wie geplant fortgeführt.

2. Kündigen (Canceln):
Der Service endet unmittelbar zum Laufzeitende. Die Benutzer verlieren sofort den Zugriff auf die Dienste!
a. Was passiert mit den Daten?
Die Daten werden nicht sofort gelöscht. Sie gehen in eine 90-tägige Phase der reinen Datenaufbewahrung (Data Retention). Innerhalb dieses Zeitraums können die Daten durch den Kauf neuer, gleichwertiger Lizenzen wiederhergestellt werden. Nach Ablauf der 90 Tage werden die Daten endgültig gelöscht.

3. In den Extended Service Term (EST) wechseln:
Dies ist die neue Standardeinstellung, wenn keine aktive Entscheidung getroffen wird. Sie führt zu:
a. Abrechnung auf Basis der teureren monatlichen SKU. Das bedeutet 20% Aufschlag gegenüber jährlichen Subscriptions.
b. Einem zusätzlichen Aufschlag von 3 %.

Die EST kann zu einer potenziellen Kostensteigerung von 23 % führen!

Bsp. M365 E3 annual ≈ $36 à ≈ $44.28 unter EST.

Bei einem Unternehmen mit 500 Benutzer bedeutet dies pro Jahr eine Kostensteigerung von $49'680.-!

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Die Situation im Enterprise Agreement (EA): Die längst etablierte Praxis

Für Kunden mit einem Enterprise Agreement ist die Abschaffung der Grace Period keine Neuigkeit, sondern gelebte Praxis. Die frühere 30-tägige Schonfrist wurde bereits vor Längerem durch den sogenannten "Extended Term" ersetzt. Läuft ein EA heute aus, ohne dass eine Verlängerung oder Kündigung vorliegt, hat das unmittelbare finanzielle Konsequenzen:

Automatische monatliche Abrechnung: Die Online Services werden sofort zu deutlich höheren Listenpreisen (Preislevel A) abgerechnet.

Zusätzliche Verwaltungsgebühr: Auf diese Kosten wird eine Gebühr von 3 % aufgeschlagen.

Ein weiterer kritischer Punkt, der in diesem Zusammenhang oft übersehen wird, ist die Frist für einen Vertragswechsel. Das Opt-Out des bestehenden Resellers (LSP) muss zwingend 30 Tage vor Vertragsende erfolgen. Wird diese Frist versäumt, kann der Vertrag unter der Extended Term weitergeführt werden.

Was passiert nach einem erfolgreichen Opt-Out und EA-Vertragsende?

Auch wenn der kommerzielle Vertrag beendet ist, schaltet Microsoft die Dienste nicht sofort ab. Stattdessen beginnt eine technische Übergangsphase, um die Service-Kontinuität zu gewährleisten und einen nahtlosen Wechsel zu ermöglichen. Ab diesem Moment befindet sich das Unternehmen jedoch in einem non-compliant Zustand.

Diese Übergangsphase (ca. 30 Tage) hat folgende Merkmale:

Bestehende Zuweisungen bleiben aktiv: Benutzer mit bereits zugewiesenen Lizenzen können zunächst weiterarbeiten, um eine abrupte Dienstunterbrechung zu vermeiden.

Keine neuen Zuweisungen möglich: Der entscheidende Punkt ist, dass aus diesem abgelaufenen Vertragspool keine Lizenzen mehr an neue oder bisher nicht lizenzierte Mitarbeiter zugewiesen werden können. Der Pool ist für Neuzuweisungen gesperrt.

Wird nicht proaktiv durch den Kauf neuer Lizenzen gehandelt, greift der Standardprozess von Microsoft: Nach rund 30 Tagen werden die Dienste deaktiviert, bedeutet dir User verlieren den Zugriff. Nach weiteren 90 Tagen werden die Daten endgültig gelöscht, und auch die Lizenzen verschwinden aus dem Tenant.

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Die neue Realität im Lizenzmanagement: Vier klare Massnahmen

Die Abschaffung der Grace Period macht proaktives Handeln zur Pflicht. Passivität führt direkt in die Kostenfalle. Mit diesen vier Maßnahmen behalten Sie die Kontrolle:

  1. Prozesse etablieren & Fristen beherrschen: Führen Sie einen strategischen Countdown mit der 360-180-90-30-Tage-Regel als festen Fahrplan für alle Vertragsverlängerungen ein. Gekoppelt mit klar definierten Verantwortlichkeiten, verwandeln Sie die reaktive Fristenjagd in einen proaktiv gesteuerten Prozess – von der frühen Strategie bis zur finalen Umsetzung.
  1. Komplexität reduzieren & Laufzeiten bündeln (Co-Terming): Führen Sie Ihre Subscriptions auf ein einheitliches Enddatum zusammen. Das schafft einen einzigen, planbaren Entscheidungspunkt im Jahr und verhindert teures Stückwerk.
  1. Kostenverantwortung schaffen (FinOps-Kultur): Stellen Sie sicher, dass die Abteilungen, die Lizenzen nutzen, die Kosten verstehen und verantworten. Transparenz über den Verbrauch ist der erste Schritt zu bewussten und effizienten Entscheidungen.
  1. Proaktive Partnerschaft einfordern: Ihr Partner muss mehr sein als ein reiner Abwickler. Fordern Sie proaktive Beratung zu Fristen, Optimierungspotenzialen und Ihrer Vertragsstrategie ein.

Fazit: Microsoft verlagert die Verantwortung vollständig auf den Partner und den Kunden. Die neue Realität erfordert Transparenz, klare Prozesse und strategische Planung, um unnötige Kosten zu vermeiden.

Christoffer Andenmatten
Christoffer kombiniert fundiertes technisches Fachwissen mit strategischer Kostenoptimierung im gesamten Microsoft-Ökosystem. Er ist auf Microsoft Azure und IT-Strategien für Unternehmen spezialisiert und hilft Unternehmen dabei, komplexe Umgebungen zu vereinfachen, Cloud-Ausgaben zu reduzieren und Technologie an den Geschäftsergebnissen auszurichten.
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