Azure Cost Management weist dieselbe Reservation auf zwei Arten aus, und keine der beiden Zahlen ist falsch. Welche Sie verwenden, entscheidet darüber, ob ein Chargeback einer Rückfrage standhält.
Cost Management bietet zwei Metriken auf denselben Daten: Actual Cost und Amortized Cost. Sie unterscheiden sich in genau einem Punkt: wann ein Commitment-Kauf verbucht wird und auf welche Ressource. Dieser eine Unterschied entscheidet, ob ein Monatsreport zur Rechnung passt oder erklärt, was ein Team verbraucht hat.
1. Actual Cost: was die Rechnung sagt
Kauft ein Unternehmen eine einjährige Reservation für CHF 12'000 mit Vorauszahlung, landen die vollen CHF 12'000 im Kaufmonat. In den folgenden elf Monaten folgt nichts mehr. Die Virtual Machine, die von dieser Reservation profitiert, läuft in dieser Sicht mit Kosten null: Der effektive Preis der abgedeckten Nutzung ist null.
Für die Abstimmung mit der Rechnung ist das ideal. Für die Frage, was ein Team im März verbraucht hat, ist es nahezu nutzlos. Ein Vorbehalt: Cost Management umfasst Nutzung und Käufe, aber weder Steuern noch Supportgebühren oder Guthaben. Actual Cost bildet damit die Kostenzeilen der Rechnung ab, nicht den Rechnungstotal. Wer dem Finanzbereich eine exakte Übereinstimmung zusagt, sollte das vorher wissen.
2. Amortized Cost: was die Ressource verbraucht hat
Amortized Cost geht einen anderen Weg. Azure teilt den Kauf durch die Anzahl Tage der Laufzeit und verbucht den Tagesanteil auf die Ressourcen, welche die Reservation tatsächlich genutzt haben. Zwei Konsequenzen, auf die zu achten ist:
- Die Monatsbeträge sind nicht gleich hoch. Amortisiert wird pro Tag, also ist ein Monat so viel wert wie seine Tage. CHF 12'000 ÷ 365 = CHF 32.88 pro Tag, damit ergibt der Januar CHF 1'019 und der Februar CHF 921.
- Der ungenutzte Anteil wird sichtbar. Bleiben an einem Tag 30% der Reservation ungenutzt, trägt dieser Anteil der Tageskosten den Charge Type UnusedReservation (bei Savings Plans UnusedSavingsPlan), der Rest wird der Virtual Machine zugeordnet. Er wird bewusst nicht der kaufenden Subscription zugeordnet, weil er zu keiner Ressource gehört.
Im CSP allerdings trägt die amortisierte Metrik das Commitment nicht durch: Die Reservationskosten werden fallen gelassen statt auf die nutzenden Ressourcen verteilt. Über die Laufzeit fehlt der amortisierten Sicht damit das gesamte Commitment, in jedem einzelnen Monat der Tagesanteil daraus. Die Zation Platform stellt diese Sicht für CSP-Kunden wieder her: Sie verteilt das Commitment auf die Ressourcen und Service-Families, die es tatsächlich genutzt haben, und erhält dabei das Total der Rechnung.
3. Wie das im Report aussieht
Eine einjährige Reservation über CHF 12'000, gekauft am 1. Januar, vorausbezahlt. Im Januar und Februar vollständig genutzt, im März zu 70%.
| Monat | Actual Cost | Amortized Cost | Davon ungenutzt |
|---|---|---|---|
| Januar | 12'000 | 1'019 | 0 |
| Februar | 0 | 921 | 0 |
| März | 0 | 1'019 | 306 |
| April | 0 | 986 | 0 |
| … | … | … | … |
| Gesamte Laufzeit | 12'000 | 12'000 | 306 |
Die beiden Sichten weisen also unterschiedliche Monatssummen aus, und das ist kein Fehler. Die amortisierte Sicht weicht bewusst von der Rechnung ab, weil sie die Kosten dorthin verschiebt, wo der Nutzen entsteht. Über die gesamte Laufzeit kommen beide auf dieselbe Zahl.
4. Chargeback: der Fall, in dem nur eine Sicht funktioniert
Zwei Abteilungen teilen sich diese Reservation. Im März entfallen von den amortisierten CHF 1'019 60% auf Retail und 10% auf Logistik, 30% bleiben ungenutzt:
- Retail: CHF 611. Den eigenen Virtual Machines zugeordnet, auf Ressourcenebene, Zeile für Zeile nachprüfbar.
- Logistik: CHF 102. Derselbe Mechanismus, kleinerer Anteil.
- Ungenutzt: CHF 306. Keiner Ressource zuordenbar und damit auch keiner Abteilung.
Die Actual-Cost-Sicht desselben März zeigt für beide Abteilungen CHF 0 und CHF 12'000 im Januar, in derjenigen Subscription, über welche der Kauf zufällig lief. Daraus lässt sich kein Abteilungsanteil belegbar ableiten. Ohne amortisierte Zahlen auf Ressourcenebene können Sie den Anteil einer Abteilung an einer gemeinsam genutzten Reservation nicht beziffern, ohne dass die Zahl bei der ersten Nachfrage auseinanderfällt.
Die interessantere Zeile sind die CHF 306. Sie sind die einzige Stelle, an der ein falsch getroffener Commitment-Entscheid in Geld sichtbar wird, und sie gehören derjenigen Stelle, die das Commitment eingegangen ist. Ein Team, dem sie anteilig verrechnet werden, zahlt für die Prognose eines anderen.
5. Wo die Amortisierung nicht greift
Die Amortisierung reicht nicht überall hin, und eine fehlende Verteilung ist nicht automatisch ein Defekt:
- Marketplace-Käufe werden nicht amortisiert. Ausnahme sind über den Marketplace bezogene Virtual-Machine-Software-Reservations.
- Pay-as-you-go-Subscriptions werden nicht unterstützt. Eine Reservation lässt sich auf MS-AZR-0003P kaufen, Cost Analysis zeigt sie aber nicht amortisiert.
- Commitment-Käufe erscheinen nur in EA- und MCA-Daten. Unter MOSA und den Legacy-Angeboten trägt die Nutzung zwar den Rabatt, der Kauf selbst liegt aber nicht im Datensatz, also gibt es nichts zu verteilen.
6. Wie FinOps-Teams mit den beiden Sichten arbeiten
Eine funktionierende Praxis legt fest, welche Sicht welche Frage beantwortet, und lässt diesen Entscheid danach in Ruhe.
Eine Standardsicht. Alles Interne läuft auf Amortized: Showback, Chargeback, Unit Economics, Budgetverfolgung, Anomalieerkennung auf Ressourcenebene. Actual bleibt für zwei Aufgaben reserviert: die Abstimmung mit dem Finanzbereich gegen die Rechnung und die Liquiditätsplanung, denn ein vorausbezahltes Commitment ist ein Mittelabfluss in einem einzigen Monat, unabhängig davon, wie es rapportiert wird.
Nie beides in derselben Grafik. Ein Monatsverlauf, der die Metriken stillschweigend mischt, erzeugt einen Ausschlag im Kaufmonat und einen Einbruch danach. Irgendwann erklärt jemand diesen Ausschlag zum Incident und verliert eine Woche damit.
Im CSP muss die Sicht rekonstruiert werden. Azure liefert im CSP keine brauchbare amortisierte Sicht, weshalb eine FinOps-Praxis auf einem partnerverrechneten Tenant die Allokation entweder selbst nachbaut oder auf einer Plattform arbeitet, die das bereits tut. Genau das leistet die Zation Platform.
Ungenutztes bekommt einen KPI und einen Owner. UnusedReservation und UnusedSavingsPlan sind die Zahlen, an denen Commitment-Entscheide gemessen werden. Sie liegen bei der Stelle, die das Commitment eingegangen ist, neben Coverage und Utilisation, und werden im selben Monatsrhythmus überprüft wie die übrige Rate Optimisation.
Im FinOps Framework: Die amortisierte Sicht ist die Voraussetzung für die Capabilities Allocation sowie Reporting & Analytics, die Actual-Sicht dient der Abstimmung in Invoicing & Chargeback. Keine der beiden ersetzt die andere.
Fazit
Actual Cost beantwortet «was haben wir bezahlt». Amortized Cost beantwortet «was haben wir genutzt». Eine Organisation braucht beides, und die meisten Probleme entstehen dort, wo mit der einen Sicht die Frage der anderen beantwortet wird. Amortized für alles Interne, Actual für die Rechnung.